Auf das Niedrigenergiehaus folgte das Passivhaus, das nach einer KfW-Förderdefinition weniger als 15 kWh/(m²a) an Energie benötigt, doch Wissenschaftler wie ökologiebewusste Nutzer wollen schon längst mehr: ein Haus, das selbst Energie erzeugt, statt sie zu verbrauchen. Das Aktivhaus scheint es möglich zu machen. Die grundlegende Definition dabei lautet: Die Energiebilanz ist übers Jahr gerechnet positiv.

Prognosen bis 2020

Münchner und Stuttgarter Wissenschaftler haben Konzepte entwickelt, die das Eigenheim der Zukunft aktiv werden lassen. Der Bund hatte im Sommer 2011 einen Wettbewerb um das Aktivhaus ausgerufen, die Stuttgarter Uni siegte knapp vor der Technischen Universität München. Das Stuttgarter Siegerhaus wird im Jahr 2012 in Berlin errichtet werden, Bundeskanzlerin Merkel wird es einweihen, eine Standard-Nutzer-Familie, die per Los gewählt wird, wird das Haus im Alltag testen. Auf einem Symposium im Herbst 2011 erläuterten die Wissenschaftler der Münchner TUM die angedachten Wege zum Aktivhaus. Im Grunde werden die bisherigen Entwicklungen weitergeführt, nur noch straffer, konsequenter und effizienter. Moderne Neubauten nutzen die Energie etwa 15-mal besser als Häuser aus der Mitte des 20. Jahrhunderts (sofern diese nicht energetisch saniert wurden). Das Passivhaus wird seit den 2000er Jahren allmählich Realität, auch das Modell eines Plus-Energie-Hauses – adäquat dem „Aktivhaus“ – gibt es schon länger. Einen entsprechenden Wettbewerb, den Washingtoner Solar Decathlon Contest, gewann 2007 und 2009 ein Modell der Uni Darmstadt. Die Häuser nutzen Solarenergie auf jedem Meter verfügbarer Dachfläche, sowohl als Fotovoltaik als auch in Form der Solarthermie, am besten in Hybrid-Anlagen, die beides koppeln. Auch dies ist eine Entwicklung des Jahres 2011 aus Deutschland, die weltweite Beachtung fand. Der Vorteil der Solarhybrid-Technik: Die Fläche wird optimaler genutzt, gleichzeitig kühlt das Wärmeflussmittel in den Solarthermiekollektoren die Fotovoltaikmodule und erhöht damit deren Wirkungsgrad. Weitere Techniken sind die Energiegewinnung mittels Wärmepumpen und natürlich die konsequente Dämmung des Hauses. Das ist nicht ganz preiswert, gegenwärtig kostet das Musterhaus für eine vier- bis fünfköpfige Familie etwa eine halbe Million Euro. Aber es erzeugt übers Jahr mehr Energie, als es verbraucht. Bislang entsteht der Überschuss allerdings nur im Sommer. Und für die längerfristige Speicherung der Energie fehlen derzeit noch die Technologien, sprich die entsprechende Akkumulatorentechnik. Diese Probleme erwarten Münchner Wissenschaftler bis 2020 gelöst zu haben. Das Aktivhaus wäre dann nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Realität. Bei dem gegenwärtigen Stand der Technik hingegen müssten die Menschen ihren Energieverbrauch der Erzeugung anpassen – ein wenig realistisches Szenario.

Definitionen für das Aktivhaus

Österreichische Wissenschaftler haben im Jahr 2011 einige handfeste Kriterien für ein Aktivhaus entwickelt. Demnach ist es immer aus Holz, absolut luft- und winddicht, gewinnt Wärme aus der Raumluft mechanisch (also faktisch ohne elektrische Energie) zurück, und es heizt grundsätzlich mit einem Holzofen. Dieser bereitet auch das Warmwasser auf, wenn die Solarkollektoren auf dem Dach nicht genügen, und zwar im Verhältnis von 80 Prozent seiner Leistung zu nur 20 Prozent Bedarf für die Raumheizung. Mehr wird bei dem herausragend gedämmten Haus nicht benötigt.
Die Energiebilanz ist insgesamt positiv, im Sommer reicht der erzeugte Solarstrom sogar, um die Akkus zweier Elektrofahrzeuge aufzuladen.