Hinter Desertec verbirgt sich eine ausgezeichnete Philosophie; Ziel ist zum einen die CO2-Emission weltweit zu senken um eine globale Erwärmung abzuwenden, und zum anderen den wachsenden Energiebedarf der Menschen zu decken. Im Vordergrund steht bei diesem Projekt die Gewinnung von Strom aus Sonnenenergie. Sonne satt gibt es im Mittelmeerraum, daher konzentriert sich das Netzwerk von Wissenschaftlern, Politikern und Ökonomen hauptsächlich in diesem Umfeld. Das Ziel ist anspruchsvoll: In der sogenannten MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) soll  mithilfe von Sonne und Wind ökologischer Strom hergestellt werden, welcher zuerst den Eigenbedarf dieser Länder decken und dann ab ca. 2020 mittels HVDC-Leitungen  (Hochspannungs-Gleichstromübertragung, HGÜ) bis nach Europa geleitet werden soll.

Möchte eine gemeinnützige Initiative Ideen auf dem Papier in die Tat umsetzen, geht es nicht ohne die Industrie. So ist auch bei Desertec eine eigene Industrie-Abteilung entstanden – die Dii GmbH (von Desertec Industrial Initiative). Und hier fangen die Probleme an; Desertec hat seinen Sitz in Hamburg, die Dii GmbH residiert in München. Während Desertec München ist ein namhaftes Konsortium aus vielen hochrangigen Firmen; diesen geht es nicht nur um mildtätige Zwecke, sondern sie möchten und müssen mit Strom Geld verdienen. Hier ist der Name Programm, so gehört unter anderem Siemens, E. On und das RWE zu diesem Firmenzusammenschluss.

Das Konsortium gäbe es ohne die Desertec Foundation nicht und Desertec braucht diese wiederum, um mit seinen Projekten voran zu kommen. Hier wäre ein Schulter-an-Schulter-Arbeiten absolute Priorität, jedoch kommt es innerhalb beider Gruppen immer wieder zu Querelen darüber, wer nun letztendlich das Sagen hat.

Ideen live und in Farbe

Desertec hat schon einige sehr hochwertige und wichtige Ideen vom Papier in die Realität umgesetzt. So entstand in Spanien Andasol 1,2 und drei, ein Komplex aus  solarthermischen Kraftwerken – alleine Andasol 1 wird mit einer jährlichen Brutto-Stromerzeugung von ca. 180 GWh veranschlagt.

Das Kraftwerk El Kureimat befindet sich im ägyptischen Gouvernement Bani Suwaif und besticht durch seine Vielfältigkeit. So arbeitet hier zum einen ein konventionelles Dampfkraftwerk, zum anderen ist dort ein hybrides Erdgas/Solar GuD-Kraftwerk zu finden.

Beide Projekte waren ehrgeizig und nicht einfach in der Umsetzung. Desertec hat entgegen aller Hürden diese Ideen realisiert; hier liegt noch viel Potential brach, welches in Zukunft genutzt werden kann.

Ausblick

Dass Desertec sich mit der Prioritätsfrage nicht gerade leicht tut, hat auch Konsequenzen, so hat sich Afrika inzwischen dazu entschlossen, Solarkraftwerke ohne die Unterstützung von Desertec zu realisieren.

Ein Solarkraftwerk, welches bisher in Marokko Strom produzieren sollte, wird wohl in Tunesien gebaut – aus dieser Problematik heraus kann es eventuell auch zu dem Ausstieg einzelner Firmen aus dem Wüstenstromprojekt kommen. Ob diese unbestätigte Meldung Wirklichkeit wird, wird sich in näherer Zukunft zeigen.Wie dem auch sei, es wäre schade, wenn solch ein zukunftsträchtiges Großprojekt wie Desertec an Querelen untereinander scheitern würde.