Dass die Deutschen seit Jahren unter stetig steigenden Strompreisen leiden, ist bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass Privathaushalte die energieintensive Industrie subventionieren, die von stetig sinkenden Strompreisen profitiert. Ein krasses Missverhältnis, das immer mehr Aufmerksamkeit erfährt.

Der Strompreis für die energieintensiven Industrien hat seit März 2010 ein Rekordtief erreicht. Der Grund dafür sind die niedrigen Preise an der Leipziger Strombörse, die durch den starken Anstieg an Strom aus erneuerbaren Energien gesunken sind: Wo ein größeres Angebot vorhanden ist, sinkt automatisch der Preis. Allerdings gibt die Industrie die niedrigen Preise nicht in Form von Preissenkungen an die Endverbraucher weiter, die von den Konzernen abhängig sind.

Die Industrie spart jährlich Milliardenbeträge

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Die Ökostrom-Umlage, die zur Förderung der erneuerbaren Energien auf den Strompreis umgelegt wird, betrifft nämlich nur Privatverbraucher und den Mittelstand: Viele energieintensive Industriezweige zahlen nur 0,05 Cent pro Kilowattstunde, während der Endverbraucher 3,5 Cent pro Kilowattstunde zahlt. So konnten diese im Jahr 2011 allein 8,2 Milliarden Euro sparen, während die Verbraucher die Umlage in vollem Umfang tragen müssen. 1.000 Unternehmen sind sogar ganz von der EEG-Umlage befreit, beispielsweise Metallerzeuger, insgesamt 97.000 weitere Unternehmen profitieren von Entlastungen.

Trotzdem wehrt sich die Industrie mit Hilfe von Lobbyverbänden mit Händen und Füßen dagegen, einen größeren Teil der Kosten zu übernehmen, und ist nun gegen das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) vor Gericht gezogen, um Änderungen zu vermeiden. Sie berufen sich darauf, dass diese Form der Subvention notwendig ist, um den Standort zu erhalten und dass im Falle einer Änderung zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet seien.

Industrielobby gegen EU

Der Bund der Energieverbraucher e.V. hatte im Dezember 2011 die EU über die rechtswidrige Ausnahmeregelung des EEG informiert, um zu erreichen, dass die EEG-Umlage geändert wird und stromintensive Betriebe nicht mehr davon ausgenommen werden können. Sie argumentiert, dass die EEG-Umlage ca. 0,8 Cent pro Kilowattstunde zu hoch ausfällt. Betroffen sind neben Privathaushalten auch zahllose mittelständische Unternehmen, die ebenfalls unter den hohen Stromkosten leiden. Kritisiert wurde auch wieder einmal der fehlende Wettbewerb, die Manipulationen der Stromhändler und die überzogenen Gewinne der Versorger.

Ein Ende des Hickhacks zwischen Industrie, Regierung und Verbraucherschützern ist derzeit nicht abzusehen. Auf den privaten Verbraucher werden vermutlich auch 2013 wieder Strompreiserhöhungen von bis zu 80 Euro im Jahr (für einen Vier-Personen-Haushalt) hinzukommen. Die einzige Möglichkeit, sich zumindest ein wenig zu wehren, ist der Wechsel von den großen Stromkonzernen zu kleineren mittelständischen Anbietern, die sauberen Ökostrom zu fairen Einkaufspreisen der Strombörse anbieten.