Noch in diesem Jahr sollen vier große neue Stromautobahnen quer durch Deutschland verlegt werden, um die Energiewende zu beschleunigen. Die Milliardenkosten für dieses Projekt trägt letztendlich der Verbraucher – mit steigenden Stromkosten.

3.800 Kilometer neue Stromtrassen

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Um die Energiewende bis zur Abschaltung des letzten Atomkraftwerkes 2022 voranzubringen, sollen in den nächsten zehn Jahren neue Stromtrassen quer durch Deutschland verlegt werden. Geplant sind dabei vier große Stromautobahnen von insgesamt 3.800 Kilometern Länge, die in erster Linie von den Offshore Windparks an der Küste Richtung Süden verlaufen werden. Umgekehrt soll der sonnige Süden Solarenergie in Richtung Norden schicken. Weitere 4.400 Kilometer des bestehenden Stromnetzes sollen für die Einspeisung des Ökostroms optimiert werden. Kostenpunkt der Planung: 20 Milliarden Euro.

Bei den Verbrauchern regt sich der Widerstand auf vielfältige Art: So kämpfen Bürgerinitiativen in ganz Deutschland gegen die neuen Hochspannungstrassen, von denen sie negative gesundheitliche Auswirkungen durch die elektromagnetischen Strahlungen befürchten. Sie plädieren für die Verlegung von unterirdischen Erdkabeln. Der Haken: Dies kostet gut 7-10-mal mehr als der Bau neuer Hochspannungsleitungen. Zudem werden durch die Ausgrabungen häufig landwirtschaftlich genutzte Flächen monatelang brachgelegt – was wiederum die Bauern ärgert, die derzeit überlegen, Pacht für die Masten auf ihrem Gelände zu verlangen.

Enteignung der Landwirte

In früheren Jahren kam es häufig vor, dass Landwirte, die sich gegen den Bau von Hochspannungsmasten auf ihrem Land wehrten, einfach enteignet wurden: Stromtrassen gelten als privilegierte Bauten von nationaler Bedeutung, die zugelassen werden müssen. Wer sich wehrte, wurde mit dem Hinweis auf die Sozialbindung des Eigentums im Grundgesetz enteignet. Von den neuen Stromtrassen erhoffen sich die Landwirte nun eine nette Nebeneinkunft: Schließlich gehören die Netztreiber Pensionsfonds mit einer staatlich garantierten Rendite von neun Prozent – da wollen sie anstelle einer einmaligen Entschädigung einen Teil des Kuchens abhaben.

Bahntrassen als Überlandleitung?

Eine mögliche Alternative zu neuen Stromtrassen stellt die Nutzung der Oberleitungen der Bahn dar, die auf 7.750 Kilometern kreuz und quer durch Deutschland verlaufen. Derzeit sind diese noch anders getaktet als die Starkstromleitungen, die den Strom quer durch das Land transportieren sollen. Für den Bund haben sie jedoch einen ganz entscheidenden Vorteil: Die Bahnleitungen sind bereits in seinem Besitz und können problemlos ausgebaut werden. Dies erspart die erwarteten jahrelangen Streitereien mit Grundbesitzern und Bürgerbewegungen, die sich gegen die Hochspannungsmasten in ihrem Ort wehren. Auch Wasserwege und sogar Autobahnen könnten herangezogen werden.

Doch egal, wie die Entscheidung ausfallen wird – ob Bahntrassen, Hochspannungsmasten oder Erdkabel: Die Kosten bleiben am Ende beim Verbraucher hängen.