Wie vergleicht man seinen Stromanbieter richtig?

Noch vor wenigen Jahren stand bei der Entscheidung für einen neuen Stromanbieter ausschließlich der Preis im Vordergrund. Doch der Markt der Stromanbieter befindet sich im Wandel. Während es früher ausschließlich um ein verstärktes Kostenbewusstsein ging, gerät heute der Servicegedanke mehr und mehr in den Mittelpunkt des Interesses.

Das Ärgernis mit der Stromrechnung

Mann liest den Stand eines Stromzählers ab

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Für den Kunden ist die jährliche Stromabrechnung häufig ein Grund, die Stirn zu runzeln. Regelmäßige Nachzahlungen sind an der Tagesordnung, und selbst wer seinen Verbrauch im Griff zu haben glaubt, muss jedes Jahr mit deutlichen Aufschlägen rechnen. Fast scheint es, als kennt der Strompreis seit Jahren nur noch eine Tendenz: nach oben. Doch so einfach ist es nicht, denn der Markt der Stromanbieter ist seit der Liberalisierung zum Jahr 1999 in Bewegung. In den ersten beiden Jahren danach waren sinkende Preise zu verzeichnen, doch dieser Trend fand schnell ein Ende. Schon bald wurde der Markt von einigen wenigen Großanbietern beherrscht, die einem fast ungehemmten Preisdiktat nachkommen konnten. Mit der Etablierung der Bundesnetzagentur im Jahr 2005 und der Trennung von Produktion und Vertrieb wurden wirksame Strukturen geschaffen, einer echten Liberalisierung nachzukommen, so dass der Markt von nun an tatsächlich von einem verstärkten Wettbewerb der Anbieter profitieren konnte. Das Ergebnis: Der Kunde hat heute mehr Möglichkeiten, seinen Stromversorger frei zu wählen und dadurch erhebliche Kosten zu sparen. Hohe Nachzahlungen und exorbitante monatliche Stromkosten sollten damit der Vergangenheit angehören.

Liberalisierung erfordert Wahrnehmung des Wechselrechts

So sehr der Markt heute von dem Gedanken an die Preiswürdigkeit abgekehrt ist, so sehr geraten andere Aspekte in den Mittelpunkt. Heute zählt nicht mehr nur der Preis allein, sondern auch die Kriterien Service und Kundenfreundlichkeit und sogar der Umweltschutzgedanke gewinnen zunehmend an Bedeutung. Als Verbraucher hat man mehr und mehr die Wahl, einen Anbieter oder einen Tarif auszuwählen, der überwiegend „grün“ aufgestellt ist und sich durch eine hohe Umweltverträglichkeit auszeichnet. Zwar gibt es bisher keine rechtliche Definition des Begriffs Ökostrom, doch nach landläufiger Meinung versteht man darunter Strom, der aus Solarenergie, Wind- und Wasserkraft hergestellt wird. Viele Anbieter haben mehrere Tarife in ihrem Spektrum, die in die Sparte „Ökostrom“ fallen und die dem Kunden gleichzeitig das gute Gefühl vermitteln, etwas zum Schutz der Umwelt beizutragen. Allerdings fordert der eigentliche Liberalisierungsgedanke noch etwas mehr Initiative der Verbraucher: So wird das Wechselrecht bei anstehenden Preiserhöhungen noch viel zu wenig ausgeübt. Hier besteht zukünftig erheblicher Optimierungsbedarf, wenn man tatsächlich von einem liberalisierten Strommarkt sprechen will.